Ernährung und Alkohol
Behauptung 1: «Ein alkoholhaltiges Schlummertrünkchen sorgt für guten Schlaf.»
Falsch. Der Irrtum rührt daher, dass man im «Selbststudium» festgestellt hat, dass beispielsweise Bier schläfrig macht. Das kommt vom Hopfen im Bier respektive dem Inhaltsstoff Hopein, der müde macht. Daraus nun aber d
en Schluss zu ziehen, Alkohol sei ein empfehlenswerter Schlafförderer, ist falsch. Wissenschaftliche Studien zeigten: Zwar gelingt das Einschlafen nach dem Konsum von alkoholischen Getränken rascher, doch die Schlafqualität leidet. Der «Schlummertrunk» – sei dies nun Bier, Wein oder Schnaps – wirbelt den Rhythmus von Tiefund Traumschlaf durcheinander. Der Schlafwird dadurch weniger erholsam.
en Schluss zu ziehen, Alkohol sei ein empfehlenswerter Schlafförderer, ist falsch. Wissenschaftliche Studien zeigten: Zwar gelingt das Einschlafen nach dem Konsum von alkoholischen Getränken rascher, doch die Schlafqualität leidet. Der «Schlummertrunk» – sei dies nun Bier, Wein oder Schnaps – wirbelt den Rhythmus von Tiefund Traumschlaf durcheinander. Der Schlafwird dadurch weniger erholsam.Behauptung 2: «Wenn ich fett esse, vertrage ich mehr Alkohol.»
Ein Irrglaube, der vor allem für Autofahrer gefährlich sein kann. Zwar verzögert reichhaltiges Essen die Aufnahme von Alkohol ins Blut. Zu guter Letzt kommt der Alkohol aber doch ins Blut und ins Gehirn und ist als Promille nachweisbar. Kommt hinzu, dass nach fettem Essen der Alkohol länger im Körper bleibt, bis er durch die Leber ganz wieder abgebaut ist.
Behauptung 3: «Schnaps fördert die Verdauung.»
Ist soweit richtig – wenn es bei einem Gläschen bleibt. Denn Kräuter- und Obstbrände regen die Produktion der Verdauungssäfte an. Doch zu viel Alkohol kann zu einer überstarken Reizung führen. Magenschleimhautentzündungen, Magenschmerzen oder Verdauungsstörungen können die Folge sein. Der eine schwört auf seinen alkoholhaltigen Schlummertrunk, der andere ist felsenfest davon überzeugt, dass er mit einem Schnäpschen nach dem Essen besser verdaut. Richtig oder falsch? care sagt, was dran ist an solchen Volksweisheiten. Ein Schlückchen in Ehren. Alleine schon die Verdauung einer üppigen
Fettmahlzeit, die bis zu 8 Stunden dauert, bedeutet eine starke Beanspruchung der Verdauungsorgane. Cognac oder Whisky werden übrigens mit Zuckercouleur oder Karamel gefärbt. Beides hemmt die Verdauung. Besser sind verdauungsanregende Kräuter oder Gewürze wie Anis, Kümmel, Senf oder Fenchel im Essen.
Behauptung 4: «Bier ist ein natürliches isotonisches Getränk und deshalb während einem Sporttraining empfehlenswert.»
Stimmt nicht. Der Alkohol im Bier wirkt absolut nicht leistungsfördernd, sondern leistungsmindernd. Ganz abwegig ist die Überlegung dennoch nicht, dass Bier als isotonisches Getränk durchgehen könnte. Der Grund: Bier wird unter anderem aus Gerste hergestellt. Diese enthält Stärke, also ein energielieferndes Kohlenhydrat, zudem Mineralstoffe wie Magnesium und auch Vitamine der B-Gruppe. Ein Deziliter des Getränks enthält etwa 42 kcal und ist somit energetisch vergleichbar mit Fruchtsäften. Alkoholfreies Bier wäre vielleicht eine Alternative, kommt aber in der Regel aufgrund seines Kohlensäuregehaltes für die wenigsten Sportler in Frage. Übrigens: Isotonische Getränke sind nicht nur für Sportler ratsam, sondern auch bei Durchfallerkrankungen. Einem appetitlosen, geschwächten Erwachsenen darf man in diesem Fall durchaus ein alkoholfreies
Bier anbieten.
Behauptung 5: «Alkohol wärmt.»
Eine Mär, die kaum auszurotten ist. Dazu tragen wohl die Geschichten und Abbildungen um den berühmten Bernhardinerhund «Barry» bei, der, ausgestattet mit einem Branntwein-Fässchen um den Hals, Erfrierende aus dem Schnee gerettet haben soll. Alkohol wärmt nicht, das Gegenteil ist der Fall: Alkohol entzieht dem Körper Wärme. Zwar erweitert Alkohol die Blutgefässe, was kurzfristig ein Gefühl von Wärme aufkommen lässt. Das Blut fliesst vermehrt an die Peripherie des Körpers, wo die Wärme über die Haut an die Umgebung abgegeben wird. Die Folge: Die Körpertemperatur sinkt. Daran sollten Ski- und Snowboardfahrer denken,
bevor sie sich vor der letzten Abfahrt ein Gläschen oder mehr genehmigen.
Behauptung 6: «Alkohol ist doch gesund. Je mehr desto besser.»
Stimmt keinesfalls. Mässiger Alkoholkonsum hat zwar gesundheitliche Vorteile, wie viele Studien belegen. Das heisst aber noch lange nicht, dass Alkohol generell gesundheitsfördernd ist.Erwiesen ist, dass 1 bis 2 dl (roter) Weinpro Tag ab einem Alter von 45 Jahren eine herzschützende Wirkung hat. Eine herzschützende Wirkung von Bier konnte indes nicht nachgewiesen werden. Und Spirituosen bewirken gar ein erhöhtes Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden. Für Jugendliche jedoch ist Alkohol in keinem Fall geeignet. Alkohol beeinträchtigt die Entwicklung und das Wachstum – besonders betroffen sind das Knochenwachstum und die Gehirnentwicklung. Vorsicht ist vor allem bei den bei Jugendlichen beliebten Alcopops angebracht: Diese enthalten, neben stattlichen durchschnittlichen 5,5 Volumenprozenten Alkohol (das care 1/07 19
sind 12 bis 13 Gramm), meist viel Zucker (Energiegehalt und Kariesgefahr), Farbstoffe (Allergiegefahr) und Koffein.
Behauptung 7: «Alkohol in der Schwangerschaft ist gut für die Durchblutung.»
Diese Behauptung geht ins gleiche Kapitel wie Nummer 5. Alkohol fördert zwar kurzfristig die Durchblutung, hat aber langfristig eine schädigende Wirkung.Ein einziges Glas eines alkoholischen Getränks scheint jedoch zumindest keine nachweisbar ungünstigen Auswirkungen auf das Kind zu haben. (Quelle: «Alkoholkonsum und Schwangerschaft», Fachartikel von Prof. Roland Zimmermann, Klinik für Geburtshilfe, Universitätsspital Zürich.)
Auf Nummer sicher geht, wer gar keinen Alkohol trinkt während der Schwangerschaft: Fachärzte raten schwangeren Frauen vom Alkoholkonsum ab, um Schädigungen am (ungeborenen) Kind, wie Wachstumsstörungen und -verzögerungen, Fehlbildungen
oder Gehirnanomalien, zu verhindern.
Behauptung 8: «Der ‹Bierbauch› kommt vom Bier.»
Höchstens indirekt. Einen dicken Bauch bekommt, ganz banal gesagt, wer zu viel und zu fett isst – insbesondere Süsses und versteckte Fette setzen an – und sich zu wenig bewegt. Dass sich das Körperfett bei Männern oft als «Pirelli» um den Bauch ablagert, hat mit genetischen Voraussetzungen zu tun. Alkohol enthält jedoch selber viel Energie: ein Deziliter Wein liefert knappe 80 Kilokalorien, drei Deziliter Bier etwa 116.
Behauptung 9: «Wein auf Bier, das rat ich dir. Bier auf Wein, das lasse sein.»
Ein vielzitierter Spruch, der sich wissenschaftlich nicht halten lässt. In Tat und Wahrheit kommt es allein auf die konsumierte Menge an. Die Reihenfolge ist nebensächlich.
ANNELIE SCHEIFELE, DIPL. ERNÄHRUNGSBERATERIN
GESUNDHEITS- UND WELLNESS-TRAINERIN
Aus dem Magazin Care unseres Partners Sanitas


